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Archiv für den Monat: August 2015

THE ARRIVAL (CLEOPATRA) 2012

according to Cleopatra by Joseph L. Mankiewicz, US/UK 1963 acrylics on paper 4m x 1.5m, mixed media, loop 7', english subtitles
en / de
In the recreated film scene the artist replaces the female protagonist. The parts she ‘stars’ in are spliced together with parts of the original film and so she is transferred into and superimposed upon the movie. The original‘s background has been stripped down into elements that have then been recreated for the set. This set is exhibited alongside the resulting scene. The sound is the one from the original film.
THE ARRIVAL (CLEOPATRA) 2012

Anlehnung an Cleopatra von Joseph L. Mankiewicz, US/UK 1963 Acryl auf Papier 4m x 1.5m, mixed media, loop 7', englische Untertitel
en / de
Die Installation besteht aus einem Video einer simulierten Szene aus dem Film 'Cleopatra' von Josephs Mankiewicz und dem dafür nachgebauten Set. In der nachgeahmten Szene wird die Protagonistin durch die Künstlerin ersetzt. Die Aufnahmen worin sie spielt, sind zusammen gefügt mit Teilen des Original Films, wodurch die Künstlerin in den Film transferiert und hineingesetzt wird. Das nachgebaute Set wird zusammen mit dem entstandenen Film gezeigt. Die Audiospur stammt aus dem Originalfilm.
https://vimeo.com/144541010
JOHNNY GUITAR 2010 / 2011

according to Johnny Guitar by Nicolas Ray, US 1954 wooden construction 2m x 1.5m, two boxes, acrylics on paper 2m x 1.5m, stage lighting, hd loop 4’22“, english subtitles
en / de
The installation consist of a video of a simulation of a scene from the film 'Johnny Guitar' from Nicolas Ray and the set built to record it in. In the recreated film scene the artist replaces the female protagonist. The parts she ‘stars’ in are spliced together with parts of the original film and so she is transferred into and superimposed upon the movie. The original‘s background has been broken down into elements that have then been recreated for the set. This set is exhibited alongside the resulting scene. The sound is the one from the original film.
JOHNNY GUITAR 2010 / 2011

Anlehnung an Johnny Guitar von Nicolas Ray, US 1954 Holzkonstruktion 2m x 1.5m, zwei Boxen, Acryl auf Papier 2m x 1.5m, Bühnenlampe, Hd Loop 4’22“, enlische Untertitel
en / de
Die Installation besteht aus einem Video einer simulierten Szene aus dem Film 'Johnny Guitar' von Nicolas Ray und dem dafür nachgebauten Set. In der nachgeahmten Szene wird die Protagonistin durch die Künstlerin ersetzt. Die Aufnahmen worin sie spielt, sind zusammen gefügt mit Teilen des Original Films, wodurch die Künstlerin in den Film transferiert und hineingesetzt wird. Das nachgebaute Set wird zusammen mit dem entstandenen Film gezeigt. Die Audiospur stammt aus dem Originalfilm.
ZIRZE 2015

according to Dosso Dossi's Zirze 1520 photography print on dibond, framed, 90cm x 120cm
MARMOR 2015

according to a wall at the Villa Borghese, Rome wallpaper, glue, varnish, acrylics, Pintasol on wall, 500cm x 400cm
en / de
ZIRZE 2015

Anlehnung an Dosso Dossi's Zirze 1520 Fotografie, Print auf Dibond, gerahmt, 90cm x 120cm
MARMOR 2015

Anlehnung an Wand der Villa Borghese in Rom Tapete, Leim, Acryllack, Pintasol auf Wand, 500cm x 400cm
en / de
Der Mythos Geschichte Zirze war vielleicht die erste Verwandlungskünstlerin der Geschichte. Pardon: der Mythologie. Wobei, wo Geschichte anfängt und Mythos aufhört, bzw. umgekehrt, ist ja nicht immer so klar. Gewisse Mythen entpuppen sich mit der Zeit als besonders schön erzählte historische Wahrheiten. Und gewisse unbequeme Wahrheiten werden heute noch gerne mythologisch bequem gemacht. Wie Zirze ist auch Nicole Hoesli eine Verwandlungskünstlerin. Während allerdings die Zirze in Homers Odyssee BesucherInnen ihrer Insel zum Beispiel in Löwen verwandelt, verwandelt Hoesli sich selbst, zum Beispiel in Zirze. Für die Fotoarbeit an der Marmorwand – dazu gleich mehr – eines kleinen Helmhaus-Saals hat die Künstlerin sich als Homersche Gestalt inszeniert, inklusive Löwe, Keiler und Papagei. Das Thema der Ausstellung hat Nicole Hoesli veranlasst, in der Geschichte – oder eben der Mythologie – weiter zurückzuschauen. Bislang hat sie sich mit jüngeren Mythen beschäftigt, etwa jenen der Popwelt der 80er Jahre. In der letztjährigen Ausstellung der Werk- und Atelierstipendien im Helmhaus war Hoesli noch das deutsche Pop-Sternchen Sandra (das sich übrigens in einem von der Künstlerin nachgestellten Interview selber ziemlich entmystifizierte). Jetzt ist sie der griechische Verwandlungsstar Zirze. Während die Künstlerin im Kontext der Sandra-Interpretation die von ihre beherrschte Malereitechnik der Marmorkopie einsetzen konnte, um eine trashige 80er-Jahre-Kulisse zu evozieren, benutzt sie sie hier, um dem nachgestellten Zirze-Gemälde des Malers Dosso Dossi den passenden Kontext zu verpassen. Das auf 1520 datierte Orginalbild hängt nämlich in der römischen Villa Borghese, einem Bauwerk des 17. Jahrhunderts. Das Nicole Hoesli hier mit den Mitteln der visuellen Fiktion – mit Marmormetaphern und Tapetenrhetorik – ins Helmhaus bringt. 1980 und 1680 sind nicht so verschieden, wie man manchmal denkt. Und die Historie und der Mythos auch nicht. Ausstellungstext 'Geschichte in Geschichten, Daniel Morgenthaler, Helmhaus, 2015
ZIRZE 2015

according to Dosso Dossi's Zirze 1520 photography print on dibond, framed, 90cm x 120cm
MARMOR 2015

according to a wall at the Villa Borghese, Rome wallpaper, glue, varnish, acrylics, Pintasol on wall, 500cm x 400cm
en / de
ZIRZE 2015

Anlehnung an Dosso Dossi's Zirze 1520 Fotografie, Print auf Dibond, gerahmt, 90cm x 120cm
MARMOR 2015

Anlehnung an Wand der Villa Borghese in Rom Tapete, Leim, Acryllack, Pintasol auf Wand, 500cm x 400cm
en / de
Der Mythos Geschichte Zirze war vielleicht die erste Verwandlungskünstlerin der Geschichte. Pardon: der Mythologie. Wobei, wo Geschichte anfängt und Mythos aufhört, bzw. umgekehrt, ist ja nicht immer so klar. Gewisse Mythen entpuppen sich mit der Zeit als besonders schön erzählte historische Wahrheiten. Und gewisse unbequeme Wahrheiten werden heute noch gerne mythologisch bequem gemacht. Wie Zirze ist auch Nicole Hoesli eine Verwandlungskünstlerin. Während allerdings die Zirze in Homers Odyssee BesucherInnen ihrer Insel zum Beispiel in Löwen verwandelt, verwandelt Hoesli sich selbst, zum Beispiel in Zirze. Für die Fotoarbeit an der Marmorwand – dazu gleich mehr – eines kleinen Helmhaus-Saals hat die Künstlerin sich als Homersche Gestalt inszeniert, inklusive Löwe, Keiler und Papagei. Das Thema der Ausstellung hat Nicole Hoesli veranlasst, in der Geschichte – oder eben der Mythologie – weiter zurückzuschauen. Bislang hat sie sich mit jüngeren Mythen beschäftigt, etwa jenen der Popwelt der 80er Jahre. In der letztjährigen Ausstellung der Werk- und Atelierstipendien im Helmhaus war Hoesli noch das deutsche Pop-Sternchen Sandra (das sich übrigens in einem von der Künstlerin nachgestellten Interview selber ziemlich entmystifizierte). Jetzt ist sie der griechische Verwandlungsstar Zirze. Während die Künstlerin im Kontext der Sandra-Interpretation die von ihre beherrschte Malereitechnik der Marmorkopie einsetzen konnte, um eine trashige 80er-Jahre-Kulisse zu evozieren, benutzt sie sie hier, um dem nachgestellten Zirze-Gemälde des Malers Dosso Dossi den passenden Kontext zu verpassen. Das auf 1520 datierte Orginalbild hängt nämlich in der römischen Villa Borghese, einem Bauwerk des 17. Jahrhunderts. Das Nicole Hoesli hier mit den Mitteln der visuellen Fiktion – mit Marmormetaphern und Tapetenrhetorik – ins Helmhaus bringt. 1980 und 1680 sind nicht so verschieden, wie man manchmal denkt. Und die Historie und der Mythos auch nicht. Ausstellungstext 'Geschichte in Geschichten, Daniel Morgenthaler, Helmhaus, 2015
ZIRZE 2015

according to Dosso Dossi's Zirze 1520 photography print on dibond, framed, 90cm x 120cm
MARMOR 2015

according to a wall at the Villa Borghese, Rome wallpaper, glue, varnish, acrylics, Pintasol on wall, 500cm x 400cm
en / de
ZIRZE 2015

Anlehnung an Dosso Dossi's Zirze 1520 Fotografie, Print auf Dibond, gerahmt, 90cm x 120cm
MARMOR 2015

Anlehnung an Wand der Villa Borghese in Rom Tapete, Leim, Acryllack, Pintasol auf Wand, 500cm x 400cm
en / de
Der Mythos Geschichte Zirze war vielleicht die erste Verwandlungskünstlerin der Geschichte. Pardon: der Mythologie. Wobei, wo Geschichte anfängt und Mythos aufhört, bzw. umgekehrt, ist ja nicht immer so klar. Gewisse Mythen entpuppen sich mit der Zeit als besonders schön erzählte historische Wahrheiten. Und gewisse unbequeme Wahrheiten werden heute noch gerne mythologisch bequem gemacht. Wie Zirze ist auch Nicole Hoesli eine Verwandlungskünstlerin. Während allerdings die Zirze in Homers Odyssee BesucherInnen ihrer Insel zum Beispiel in Löwen verwandelt, verwandelt Hoesli sich selbst, zum Beispiel in Zirze. Für die Fotoarbeit an der Marmorwand – dazu gleich mehr – eines kleinen Helmhaus-Saals hat die Künstlerin sich als Homersche Gestalt inszeniert, inklusive Löwe, Keiler und Papagei. Das Thema der Ausstellung hat Nicole Hoesli veranlasst, in der Geschichte – oder eben der Mythologie – weiter zurückzuschauen. Bislang hat sie sich mit jüngeren Mythen beschäftigt, etwa jenen der Popwelt der 80er Jahre. In der letztjährigen Ausstellung der Werk- und Atelierstipendien im Helmhaus war Hoesli noch das deutsche Pop-Sternchen Sandra (das sich übrigens in einem von der Künstlerin nachgestellten Interview selber ziemlich entmystifizierte). Jetzt ist sie der griechische Verwandlungsstar Zirze. Während die Künstlerin im Kontext der Sandra-Interpretation die von ihre beherrschte Malereitechnik der Marmorkopie einsetzen konnte, um eine trashige 80er-Jahre-Kulisse zu evozieren, benutzt sie sie hier, um dem nachgestellten Zirze-Gemälde des Malers Dosso Dossi den passenden Kontext zu verpassen. Das auf 1520 datierte Orginalbild hängt nämlich in der römischen Villa Borghese, einem Bauwerk des 17. Jahrhunderts. Das Nicole Hoesli hier mit den Mitteln der visuellen Fiktion – mit Marmormetaphern und Tapetenrhetorik – ins Helmhaus bringt. 1980 und 1680 sind nicht so verschieden, wie man manchmal denkt. Und die Historie und der Mythos auch nicht. Ausstellungstext 'Geschichte in Geschichten, Daniel Morgenthaler, Helmhaus, 2015
SANDRA V 2013

according to a TV-performance of Sandra 'don't be agressive', 1989 adhesive foil, acrylics on Plexiglas, 238cm x 169cm, musicvideo (don't be agressive), HD-Loop 4'42''
SANDRA VI 2013

according to a TV-performance of Sandra 'don't be agressive', 1989 adhesive foil, acrylics on Plexiglas, 238cm x 169cm, musicvideo (don't be agressive), HD-Loop 4'42''
SANDRA VII 2013

according to a TV-performance of Sandra 'don't be agressive', 1989 adhesive foil, acrylics on Plexiglas, 238cm x 169cm, musicvideo (don't be agressive), HD-Loop 4'42''
en / de
Nicole Hoesli (*1980 in Baden, lebt in Zürich) ist die Preisträgerin des Fokus-Preises, der 2012 vom Glarner Kunstverein vergeben wurde. Die Künstlerin mit Glarner Wurzeln verwandelt sich in ihren Arbeiten in Persönlichkeiten aus der Film- und Musikwelt und mimt diese in trügerischer Manier. Mit einfachen, selbst gebastelten Filmsets stellt sie Szenen aus berühmten Filmen oder Musikvideos nach und fügt diese nahezu perfekt in die Originalfilme ein. Der Bruch ist kaum wahrnehmbar und irritiert daher umso mehr. Nicole Hoesli geht es dabei um Identität und die Frage, wie diese durch medial konstruierte Stereotypen geprägt wird. Um solche Fragen der Imitation und Identitätskonstruktion geht es auch in der preisgekrönten Arbeit Sandra Eternal Puberty, in der sich die Künstlerin in der Art eines Star-Schnitts des Jugendmagazins Bravo aus den 1980 und 90er Jahren inszeniert. Ausgehend von dieser Beschäftigung mit der Pop-Ikone Sandra entstanden für die diesjährige Fokus-Ausstellung im Schneelisaal neue Arbeiten. Videos, Malerei und Collagen werden in einer Rauminstallation arrangiert. In den Videoarbeiten verwandelt sich Nicole Hoesli mit aufwändiger Kostümierung, Schminke und Perücke in die Sängerin und montiert ihre eigenen Filmaufnahmen in Originalmaterial der Musikvideos zu den Songs Maria Magdalena, mit dem die Sängerin 1985 ihren Durchbruch feierte und Don’t Be Aggressive sowie in eine Interviewaufnahme mit Sandra. Die nachgebauten Kulissen, die Nicole Hoesli für die Filmproduktion entwarf, präsentiert sie in der Ausstellung zudem als grossformatige, abstrakt-geometrische Malerei und Collage. Die schillernde Pop-Ästhetik der 80er Jahre stellt die Künstlerin mit Acryl-Malerei und Klebecollage nach und positioniert sie im Kontext der Kunst als eigenständige Werke. Erst auf den zweiten Blick wird klar, dass es sich dabei um die Kulissen für die Videos handelt. Die Künstlerin imitiert auf diese Weise die Simulation von Parallelwelten und interessiert sich insbesondere auch für die damit zusammenhängenden Oberflächenphänomene. Sie verwischt dabei auch die Grenzen zwischen Design und Kunst, kulissenhaftem Fake und handwerklichem Artefakt. Als besonderes Stilmittel der Kunst der 80er Jahre, ist der „Fake“, die bewusste Kopie, ein Konzept, das Originalität, Authentizität und Wirklichkeitsbezug insgesamt in Frage stellt. Bei ihren „Selbstporträts“ in anderer Person geht es Nicole Hoesli schliesslich auch um die Ambivalenzen von Starexistenzen sowie die Stereotypen von Teenage-Posen und Selbstinszenierungen, wie sie immer wieder auch in Casting-Shows aufgeführt werden. Die Liedtexte mit den Worten „I could be everything that you want me to“ oder „I’ll never be Maria Magdalena“ kommentieren etwa das potentielle Scheitern dieses Rollenspiels. Fiktion und Realität, Imitation und Authentizität spielen so auf mehreren Ebenen eine Rolle und verbinden sich im Ausstellungsraum zur doppelbödigen Bühne der Eitelkeiten.
Pressetext, Fokus Nicole Hoesli, Kunsthaus Glarus 2013
SANDRA V2013

according to a TV-interview with Sandra, 1992 acrylics on wood 210cm x 150cm, interview, HD-Loop 5'03''
SANDRA VI2013

according to a TV-interview with Sandra, 1992 acrylics on wood 210cm x 150cm, interview, HD-Loop 5'03''
SANDRA VII 2013

according to a TV-interview with Sandra, 1992 acrylics on wood 210cm x 150cm, interview, HD-Loop 5'03''
en / de
Nicole Hoesli (*1980 in Baden, lebt in Zürich) ist die Preisträgerin des Fokus-Preises, der 2012 vom Glarner Kunstverein vergeben wurde. Die Künstlerin mit Glarner Wurzeln verwandelt sich in ihren Arbeiten in Persönlichkeiten aus der Film- und Musikwelt und mimt diese in trügerischer Manier. Mit einfachen, selbst gebastelten Filmsets stellt sie Szenen aus berühmten Filmen oder Musikvideos nach und fügt diese nahezu perfekt in die Originalfilme ein. Der Bruch ist kaum wahrnehmbar und irritiert daher umso mehr. Nicole Hoesli geht es dabei um Identität und die Frage, wie diese durch medial konstruierte Stereotypen geprägt wird. Um solche Fragen der Imitation und Identitätskonstruktion geht es auch in der preisgekrönten Arbeit Sandra Eternal Puberty, in der sich die Künstlerin in der Art eines Star-Schnitts des Jugendmagazins Bravo aus den 1980 und 90er Jahren inszeniert. Ausgehend von dieser Beschäftigung mit der Pop-Ikone Sandra entstanden für die diesjährige Fokus-Ausstellung im Schneelisaal neue Arbeiten. Videos, Malerei und Collagen werden in einer Rauminstallation arrangiert. In den Videoarbeiten verwandelt sich Nicole Hoesli mit aufwändiger Kostümierung, Schminke und Perücke in die Sängerin und montiert ihre eigenen Filmaufnahmen in Originalmaterial der Musikvideos zu den Songs Maria Magdalena, mit dem die Sängerin 1985 ihren Durchbruch feierte und Don’t Be Aggressive sowie in eine Interviewaufnahme mit Sandra. Die nachgebauten Kulissen, die Nicole Hoesli für die Filmproduktion entwarf, präsentiert sie in der Ausstellung zudem als grossformatige, abstrakt-geometrische Malerei und Collage. Die schillernde Pop-Ästhetik der 80er Jahre stellt die Künstlerin mit Acryl-Malerei und Klebecollage nach und positioniert sie im Kontext der Kunst als eigenständige Werke. Erst auf den zweiten Blick wird klar, dass es sich dabei um die Kulissen für die Videos handelt. Die Künstlerin imitiert auf diese Weise die Simulation von Parallelwelten und interessiert sich insbesondere auch für die damit zusammenhängenden Oberflächenphänomene. Sie verwischt dabei auch die Grenzen zwischen Design und Kunst, kulissenhaftem Fake und handwerklichem Artefakt. Als besonderes Stilmittel der Kunst der 80er Jahre, ist der „Fake“, die bewusste Kopie, ein Konzept, das Originalität, Authentizität und Wirklichkeitsbezug insgesamt in Frage stellt. Bei ihren „Selbstporträts“ in anderer Person geht es Nicole Hoesli schliesslich auch um die Ambivalenzen von Starexistenzen sowie die Stereotypen von Teenage-Posen und Selbstinszenierungen, wie sie immer wieder auch in Casting-Shows aufgeführt werden. Die Liedtexte mit den Worten „I could be everything that you want me to“ oder „I’ll never be Maria Magdalena“ kommentieren etwa das potentielle Scheitern dieses Rollenspiels. Fiktion und Realität, Imitation und Authentizität spielen so auf mehreren Ebenen eine Rolle und verbinden sich im Ausstellungsraum zur doppelbödigen Bühne der Eitelkeiten.
Pressetext, Fokus Nicole Hoesli, Kunsthaus Glarus 2013
exhibition text
Im Fokus: Nicole Hoesli Kunsthaus Glarus, 17. Januar 2014 Gedanken zu einem Podiumsgespräch „Das Auge zu täuschen hat innerhalb der echten Kunst keinen Wert: die Illusion, welche ein wahres Kunstwerk hervorruft, beruht nicht darauf, dass sie uns auf Kosten der Wirklichkeit über die Natur der Dinge oder der Sinneseindrücke irreführe, sondern sie will uns im Gegenteil so tief in eine neue Schauweise mit sich ziehen, dass diese Schauweise unsere eigene zu werden scheint.“ Adolphe Appia zu Wagners Illusionsbühne Was geschieht? Die Ausstellung befindet sich im Parterre, im sogenannten Scheelisaal. Beim Eintritt ist Musik zu hören, die offensichtlich zu einem in der drei in der hinteren Ecke hängenden Bildschirme gehört. Der Raum insgesamt erstaunlich leer. Vielleicht hatte ich Kulissenteile erwartet, oder ein ganzes Filmset. Nichts davon. Drei große Bilder links, die drei Fernsehbildschirme hinten rechts. Ich gehe durch den Saal zu dem lauten Video, lese die Titel Sandra V, Sandra VI und Sandra VII. Ich verfolge eines der Videos und finde nichts Besonderes daran. Eine Popsängerin, wie wir sie zuhauf schon seit MTV oder VIVA oder neueren Musiksendern kennen. Marketing? Auffallend vielleicht die Unschärfen bei Sandra V, oder die unterschiedliche Bildqualität bei Sandra VI, oder auch die an wenigen Stellen bemerkbare leicht verschobene Synchronisierung bei Sandra VII. Ich höre und sehe der Sängerin zu. Auf zwei der drei Loops singt sie, auf dem letzten stellt sie sich den Fragen eines TV Moderators und verteidigt die englische Sprache der Lieder. Dann erst widme ich mich den großen Gemälden, die mit recht einfachen Linien und Konturen eine gewisse Plakativität erzeugen. Die Farben eher dumpf und dennoch markant. Eines davon, das mittlere, hat mittendrin eine große Spiegelfolie, so dass sich der Betrachter reflektiert sieht. Ich zücke mein neues Smartphone und fotografiere mich als Betrachter. Jetzt erst fällt mir auf, dass die drei Gemälde in direkter Korrespondenz zu den drei Videos stehen. Natürlich, sie bilden den Hintergrund der Clips. Und erst jetzt realisiere ich, dass die Popsängerin gar nicht jene Sandra ist, die ich zu sehen glaubte. Die Gemälde bildeten die Kulissen oder Teile davon zu den Aufnahmen, auf denen die Künstlerin Nicole Hoesli die Sängerin Sandra gewordenen ist. Das loopende Original ist mit der echten Aufnahmen nur scheinbar identisch. Was ist geschehen? Eine bildende Künstlerin verwandelt sich bis zur Kenntlichkeit in eine andere. Die virtuelle Eins-Werdung mit einer bekannten Vorlage, also das Zusammengehen und Zusammen-SEIN des Virtuellen mit dem Realen, eine Behauptung von Wirklichkeit, die tatsächlich „nur“ die täuschend echte Kopie einer scheinbar vertrauten Vorlage darstellt. Was ich allzu voreilig zu Sehen –im Sinne von Erkennen– geglaubt hatte, wurde hintergangen. Das war gar nicht Sandra, das war Nicole. Aber wer ist Sandra und wer ist Nicole? Spielt das überhaupt eine Rolle? Und endlich wurde mir die kurze Erfahrung zwischen zwei Glarus Express Zügen deutlich: Hier hing ein Spiel mit Identität. Der Spiegel war an der richtigen Stelle, das Foto vielleicht nicht unerwünscht. Aber, was genau bedeutet hier Identität? Die Künstlerin Nicole Hoesli spielt mit der Diskrepanz zwischen einem Wahrnehmungsphänomenen und seinen Darstellungswirklichkeiten. Über ihr echtes Spiel einer „falschen“ Rolle wurde mir einmal mehr unser aller permanentes Darstellen verdeutlicht. Natürlich spielen wir, immer. Wir spielen uns, jeder seine Rolle. Nicht nur als Popstar, auch als Verwalter oder Pizzabäcker, als Mutter oder Lateinstudentin etc. Jedes Leben ist eine Bühne. Über die feinen und zuweilen eklatanten Unterschiede zwischen dem, was wir zu sein oder zu erscheinen glauben und dem, wie wir wahr genommen werden, weiss jede/r sein eigenes Lied zu singen. Nicole Hoesli wählt den erkennbaren, durch-schaubaren Weg, einen ungewohnt direkten, vielleicht eben dadurch nicht sofort erkennbaren Clip der Vor-Bilder. Sie approbiert die Wahrnehmung und Erfahrbarkeit des Selbst im Anderen. Das ist gewissermaßen ihr eigener, ganz gezielt gewählter postmoderner Beichtstuhl. Was bisher geschah Es gibt eine ganze Reihe weiterer Arbeiten von Nicole Hoesli, die ich mir daraufhin im Internet angesehen habe. Ich wähle ein Beispiel, die Arbeit „PARIS, TEXAS“ von 2011: Hoesli nennt den Clip „according“ zu Wim Wenders Film von 1984, so wie „JOHNNY GUITAR“ zu Nicolas Ray’s Film von 1954 oder „VERTIGO“ zu Alfred Hitchcocks Film von 1958. Gemeinsam ist den Vorlagen, dass alle drei als Meisterwerke in die Geschichte des Films eingegangen sind. Bewegte und bewegende Vor-Bilder. Beeindruckende und bewunderte Meilensteine der Filmgeschichte. Sie schaffen Identifikation, indem sie den Zuschauer/die Zuschauerin in ihren Bann ziehen, ihre Geschichten werden beim Betrachten Teil unserer Imagination, Teil unseres Möglichkeitsraums. Jean-Luc Godard spricht in einem Interview vor laufender Kamera, bei der der Interviewer Wim Wenders nicht zugegen war, von den Filmen, die jeder für sich produziert: „Filme entstehen, wenn niemand zuschaut. Sie sind das Unsichtbare. Was man nicht sieht, ist das Unglaubliche – beim Kino geht es darum, dies zu zeigen. Ich sitze hier vor der Kamera, aber in Wirklichkeit, in meinem Kopf, bin ich hinter ihr. Meine Welt ist das Imaginäre, und das ist eine Reise zwischen vorn und hinten, hin und her.“ Was immer geschieht Wir leben die Fiktion mit. ‚Wie gern wäre ich doch dieser oder jene’, aber auch: ‚Gott sei Dank bin ich nicht in dieser ausweglosen Situation’ etc. Gute Filme, darin mit gelungenen Theateraufführungen vergleichbar, gehen uns durch Kopf und Bauch. Diese Filme faszinieren, vereinnahmen, beunruhigen und schaffen das, was jede gute Kunst zu schaffen versucht: Konditionierung des Denkbaren, Erweiterung des Bekannten, Befragung des Vertrauten und Sondierungen des Erfahrungshorizontes. Das sah schon Aristoteles ähnlich, der erste und noch immer einflussreichste aller Kunsttheoretiker. In seiner Dramentheorie verlangt er für das Theater „Lieber das unwahre aber mögliche als das unwahrscheinliche Wahre“. Das Wecken der Leidenschaften über Schauder (phobos) und Jammer (eleos) oder Furcht und Mitleid, wie Lessing es später von übersetzen wird – ... Was in Paris, Texas geschieht „Paris, Texas“ kann keine zufällige Wahl sein. Es ist einer der vollkommensten Filme von Wim Wenders, ein modernes Märchen. In der Schlüsselszene gegen Ende des Filmes, als Travis (gespielt von Harry Dean Stanton) und Jane (Nastassja Kinski) sich nach Jahren der Trennung wieder begegnen, ist die Gegenüberstellung eine zuerst einseitige, dann eine gewissermaßen nullseitige, also blinde. Travis findet Jane in einer „Coffee Shop Booth“, einer Peep Show Kabine (John Lurie spielt den Rausschmeißer) mit halbdurchlässigem Spiegelglas. Er könnte sie sehen, sie ihn als Kunden („Freier“) nicht. Aber er wendet sich ab und erzählt in Richtung der Kamera, also dem Zuschauer die Geschichte. Er erzählt uns und der Frau im Hintergrund eine lange Geschichte, die, wie sich allmählich herausstellt, ihre Geschichte ist und die ihres gemeinsamen Sohnes Hunter. Der Jäger ist auch hier der Gejagte, Hunter die Beute, die nicht gesucht und doch gefunden, sprich seiner wirklichen Mutter zugeführt wird. Travis’ Erzählung ist ein doppelter Monolog der zwei sich ehemals nahe stehenden Personen, seine Projektion vor dem Fenster, seine Bilder sind aus beider Erinnerung gespeist. Sein Rückblick und die Nacktheit der Frau werden durch eine Blöße der Erzählung ersetzt. Beide erkennen sich „blind“. Und erst, als Jane ganz an das gespiegelte Glas geht und ihr Zimmerlicht ausmacht, kann sie das Gegenüber, ihre ehemalige Liebe erkennen. Erst die Dunkelheit enthüllt die volle Wahrheit. In diesem Moment der Wahrwerdung setzt Wim Wenders mit seinem Kameramann Robby Müller das Gesicht des Boten Travis in die blonden Umrisse der Erkennenden Jane, aus den beiden wird eine einzelne Figur. Das trennende Glas wird zur Projektionsfläche, zur Leinwand des Sehens und Erkennens. Nun erst ist Jane auch bereit, ihre Vergangenheit zu akzeptieren und wird wenig später ihren Sohn im Hotel aufsuchen, im Room 1520. Nachdem Wenders sich als Theaterregisseur mit der monogamen Perspektive des Publikums versucht hatte, (Peter Handkes „Über die Dörfer“ an den Salzburger Festspielen) fand er mit „Paris Texas“ zu den Mythen des Kinos zurück. Der Film wurde zu einem der größten Erfolge des europäischen Kinos. Nicole Hoesli nun greift endlich zur Übersetzung eines der Schlüsselmomente auf die museale Installation. Sie installiert unser Auge. Der Einwegspiegel der Peep Show Kabine wird zum Beichtstuhl der gescheiterten Familie und sie darin zur Jederfrau. Die Möglichkeit der Selbsterkenntnis im Darstellen des Vergangenen oder hier des identifizierbaren Anderen wirkt bestechend, weil sich die angebliche Echtheit keine Blöße gibt. Hoesli übernimmt, mehr noch sie vereinnahmt den psychologischen Realismus von Nastassja Kinski, in diesen Jahren Studentin schauspielerischer Methoden der emotionalen Erinnerung von Lee Strasberg. Hoesli identifiziert Jane „by doing“. Sie macht uns glauben, jene zu sein, die durch Kinskis Darstellungskunst eben noch als einzigartig in die Geschichte des Films eingeschrieben wurde. Auch das keine neue Wahrheit. Wir glauben lieber, was wir sehen, und sei es och so unmöglich, als das „unglaubwürdig Mögliche.“ Was gesehen wird „Das Nachahmen selbst ist den Menschen angeboren – es zeigt sich von Kindheit an, und der Mensch unterscheidet sich dadurch von den übrigen Lebewesen, dass er in besonderem Maße zur Nachahmung befähigt ist und seine ersten Kenntnisse durch Nachahmung erwirbt.“ Wir sind, was wir in unseren lebenslangen Übungen der Nachahmung geworden sind. Just hier steigt Nicole Hoesli ein, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie steigt die Kulisse, in die 24-fache Wahrheit pro Sekunde und manipuliert diese zu ihren Gunsten, und damit, dass sie den Vorgang erkennbar macht, auch zu unseren. Was wäre, wenn ich hinter dem blinden, einseitigen Spiegel säße. Sollte ich dann den Pulli heben? Andere Antworten geben, als Nastassja Kinski? Was ist, wenn der Möglichkeitsraum real wird? Wie real ist überhaupt mein Möglichkeitsraum? Sind wir nicht alle Kopisten? „Ebenso wie Hitchcock haben es auch Bresson, Rossellini, Welles und Renoir mit grossem Erfolg verstanden, die scheinbar gegensätzlichen Vorzüge der allegorischen und der dokumentarischen Form (...) für ihre Zwecke zu nutzen. Die konkrete Realität liefert der erfundenen Geschichte das Fleisch, ohne das sie nur ein intellektueller Zeitvertreib wäre. (...) Selbst wenn The Wrong Man nichts anderes als die getreue Schilderung eines „wahren Kriminalfalls“ wäre, verdiente er bereits unsere ganze Bewunderung.“ (S. 222f) Nicole Hoesli dreht den Spiess einfach um: Der Thriller wird zum Realen, sie setzt sich mitten rein in die (re-)konstruierte Realität des Fiktiven, das Konstrukt wird erkennbar. Oder, wie Eric Rohmer und Claude Chabrol in ihrem wunderbaren Buch über Hitchcock geschrieben haben: „Das entscheidende Element (...) ist die Gleichzeitigkeit dieser beiden Tatsachen, das ständige Vermengen zweier stilistischer Genres, nämlich des Realen und des Thrillers“ (S. 143) Letzte Frage: Warum aus dem Vergangenen zitieren, sogar kopieren. Ist das originell? Alfred Hitchcock hat einmal gesagt: „Besser, in den Truhen von vorgestern zu wühlen, als in den Abfalleimern von gestern.“ (Hitchcock, S. 202) . Nicole Hoesli spielt uns unser Spiel vor, indem sie Leben zur Bühnenästhetik stilisiert. Aristoteles’ aisthesis sensualis wird zur individuellen Projektionsmauer, jedem sein Spiegel, durch den er/sie sich vom Publikum absondert. Der individuelle Vorhang braucht gar nicht weiter aufgezogen zu werden, wir denken uns unser Teil. Das ist Ich – Simulation. Was sagt Ihr Spiegel. Es ist immer der andre der herausblickt. Ihn suchen wir, wenn wir uns durch die fremden Leiber wühlen, weg von uns. (Heiner Müller, Quartett) Anton Rey, 15.1.2014.
https://vimeo.com/144532311
SANDRA V / ETERNAL PUBERTY 2013

according to a TV-interview with Sandra, 1992 acrylics on wood 210cm x 150cm, interview, HD-Loop 5'03''
en / de
SANDRA V / ETERNAL PUBERTY 2013

Anlehnung an TV-Interview mit Sandra, 1992 Acryl auf Holz 210cm x 150cm, Interview, HD-Loop 5'03''
en / de
Ein weiteres Mal schlüpft Nicole Hoesli in einer mehrteiligen Installation in die Rolle des 80er-Jahre-Popstarlets Sandra, deren enorm erfolgreicher Ohrwurmhit 'Maria Magdalena' bis heute repräsentativ für das oberflächliche 'anything goes' der Musik dieser Dekade stehen kann. Wo das inszenierte übergrosse Bravo-Poster der Popsängerin noch eine affirmative Annäherung an den einstigen Star annehmen liesse, bricht das gegenübergestellte Filminterview mit dem Starkult, in dem sich die von der Musikindustrie 'gemachte' Musikerin dort gegen Vorwürfe zur Wehr setzen muss und ihre künstlerische Eigenständigkeit unter Beweis zu stellen versucht. Aus heutiger Sicht wohnt man einer Selbstdemontage bei, die womöglich tragisch wäre, wäre sie nicht ebenso schrill, wie absurd. Kulissenteile, die Hoesli benutzt, um im historischen Video die Rolle der Sandra zu übernehmen, als scheinbar eigenständige Arbeiten gezeigt, entlarven den oberflächlichen Look der 80-er Jahre. Diese augenzwinkernde Demontage gelingt in einer räumlich interessanten querbezüglichen Gesamtinstallation, die die Jury mit einem Stipendium auszeichnet. Jurybericht Werk- und Atelierstipendien der Stadt Zürich, 2014
SANDRA VI / ETERNAL PUBERTY 2013

according to a TV-performance of Sandra 'Maria Magdalena', 1986 mirrorfoil, acrylics on forex, 240cm x 170cm, musicvideo, HD-Loop 3'48''
en / de
Nicole Hoesli (*1980 in Baden, lebt in Zürich) ist die Preisträgerin des Fokus-Preises, der 2012 vom Glarner Kunstverein vergeben wurde. Die Künstlerin mit Glarner Wurzeln verwandelt sich in ihren Arbeiten in Persönlichkeiten aus der Film- und Musikwelt und mimt diese in trügerischer Manier. Mit einfachen, selbst gebastelten Filmsets stellt sie Szenen aus berühmten Filmen oder Musikvideos nach und fügt diese nahezu perfekt in die Originalfilme ein. Der Bruch ist kaum wahrnehmbar und irritiert daher umso mehr. Nicole Hoesli geht es dabei um Identität und die Frage, wie diese durch medial konstruierte Stereotypen geprägt wird. Um solche Fragen der Imitation und Identitätskonstruktion geht es auch in der preisgekrönten Arbeit Sandra Eternal Puberty, in der sich die Künstlerin in der Art eines Star-Schnitts des Jugendmagazins Bravo aus den 1980 und 90er Jahren inszeniert. Ausgehend von dieser Beschäftigung mit der Pop-Ikone Sandra entstanden für die diesjährige Fokus-Ausstellung im Schneelisaal neue Arbeiten. Videos, Malerei und Collagen werden in einer Rauminstallation arrangiert. In den Videoarbeiten verwandelt sich Nicole Hoesli mit aufwändiger Kostümierung, Schminke und Perücke in die Sängerin und montiert ihre eigenen Filmaufnahmen in Originalmaterial der Musikvideos zu den Songs Maria Magdalena, mit dem die Sängerin 1985 ihren Durchbruch feierte und Don’t Be Aggressive sowie in eine Interviewaufnahme mit Sandra. Die nachgebauten Kulissen, die Nicole Hoesli für die Filmproduktion entwarf, präsentiert sie in der Ausstellung zudem als grossformatige, abstrakt-geometrische Malerei und Collage. Die schillernde Pop-Ästhetik der 80er Jahre stellt die Künstlerin mit Acryl-Malerei und Klebecollage nach und positioniert sie im Kontext der Kunst als eigenständige Werke. Erst auf den zweiten Blick wird klar, dass es sich dabei um die Kulissen für die Videos handelt. Die Künstlerin imitiert auf diese Weise die Simulation von Parallelwelten und interessiert sich insbesondere auch für die damit zusammenhängenden Oberflächenphänomene. Sie verwischt dabei auch die Grenzen zwischen Design und Kunst, kulissenhaftem Fake und handwerklichem Artefakt. Als besonderes Stilmittel der Kunst der 80er Jahre, ist der „Fake“, die bewusste Kopie, ein Konzept, das Originalität, Authentizität und Wirklichkeitsbezug insgesamt in Frage stellt. Bei ihren „Selbstporträts“ in anderer Person geht es Nicole Hoesli schliesslich auch um die Ambivalenzen von Starexistenzen sowie die Stereotypen von Teenage-Posen und Selbstinszenierungen, wie sie immer wieder auch in Casting-Shows aufgeführt werden. Die Liedtexte mit den Worten „I could be everything that you want me to“ oder „I’ll never be Maria Magdalena“ kommentieren etwa das potentielle Scheitern dieses Rollenspiels. Fiktion und Realität, Imitation und Authentizität spielen so auf mehreren Ebenen eine Rolle und verbinden sich im Ausstellungsraum zur doppelbödigen Bühne der Eitelkeiten.
Pressetext Fokus Nicole Hoesli
SANDRA VI / ETERNAL PUBERTY 2013

Anlehnung an TV-Performance von Sandra 'Maria Magdalena', 1986 Spiegelfolie, Acryl auf Forex, 240cm x 170cm, Musikvideo, HD-Loop 3'48''
en / de
Nicole Hoesli (*1980 in Baden, lebt in Zürich) ist die Preisträgerin des Fokus-Preises, der 2012 vom Glarner Kunstverein vergeben wurde. Die Künstlerin mit Glarner Wurzeln verwandelt sich in ihren Arbeiten in Persönlichkeiten aus der Film- und Musikwelt und mimt diese in trügerischer Manier. Mit einfachen, selbst gebastelten Filmsets stellt sie Szenen aus berühmten Filmen oder Musikvideos nach und fügt diese nahezu perfekt in die Originalfilme ein. Der Bruch ist kaum wahrnehmbar und irritiert daher umso mehr. Nicole Hoesli geht es dabei um Identität und die Frage, wie diese durch medial konstruierte Stereotypen geprägt wird. Um solche Fragen der Imitation und Identitätskonstruktion geht es auch in der preisgekrönten Arbeit Sandra Eternal Puberty, in der sich die Künstlerin in der Art eines Star-Schnitts des Jugendmagazins Bravo aus den 1980 und 90er Jahren inszeniert. Ausgehend von dieser Beschäftigung mit der Pop-Ikone Sandra entstanden für die diesjährige Fokus-Ausstellung im Schneelisaal neue Arbeiten. Videos, Malerei und Collagen werden in einer Rauminstallation arrangiert. In den Videoarbeiten verwandelt sich Nicole Hoesli mit aufwändiger Kostümierung, Schminke und Perücke in die Sängerin und montiert ihre eigenen Filmaufnahmen in Originalmaterial der Musikvideos zu den Songs Maria Magdalena, mit dem die Sängerin 1985 ihren Durchbruch feierte und Don’t Be Aggressive sowie in eine Interviewaufnahme mit Sandra. Die nachgebauten Kulissen, die Nicole Hoesli für die Filmproduktion entwarf, präsentiert sie in der Ausstellung zudem als grossformatige, abstrakt-geometrische Malerei und Collage. Die schillernde Pop-Ästhetik der 80er Jahre stellt die Künstlerin mit Acryl-Malerei und Klebecollage nach und positioniert sie im Kontext der Kunst als eigenständige Werke. Erst auf den zweiten Blick wird klar, dass es sich dabei um die Kulissen für die Videos handelt. Die Künstlerin imitiert auf diese Weise die Simulation von Parallelwelten und interessiert sich insbesondere auch für die damit zusammenhängenden Oberflächenphänomene. Sie verwischt dabei auch die Grenzen zwischen Design und Kunst, kulissenhaftem Fake und handwerklichem Artefakt. Als besonderes Stilmittel der Kunst der 80er Jahre, ist der „Fake“, die bewusste Kopie, ein Konzept, das Originalität, Authentizität und Wirklichkeitsbezug insgesamt in Frage stellt. Bei ihren „Selbstporträts“ in anderer Person geht es Nicole Hoesli schliesslich auch um die Ambivalenzen von Starexistenzen sowie die Stereotypen von Teenage-Posen und Selbstinszenierungen, wie sie immer wieder auch in Casting-Shows aufgeführt werden. Die Liedtexte mit den Worten „I could be everything that you want me to“ oder „I’ll never be Maria Magdalena“ kommentieren etwa das potentielle Scheitern dieses Rollenspiels. Fiktion und Realität, Imitation und Authentizität spielen so auf mehreren Ebenen eine Rolle und verbinden sich im Ausstellungsraum zur doppelbödigen Bühne der Eitelkeiten.
Pressetext Fokus Nicole Hoesli
exhibition text
Kunsthaus Glarus, 17. Januar 2014 Gedanken zu einem Podiumsgespräch „Das Auge zu täuschen hat innerhalb der echten Kunst keinen Wert: die Illusion, welche ein wahres Kunstwerk hervorruft, beruht nicht darauf, dass sie uns auf Kosten der Wirklichkeit über die Natur der Dinge oder der Sinneseindrücke irreführe, sondern sie will uns im Gegenteil so tief in eine neue Schauweise mit sich ziehen, dass diese Schauweise unsere eigene zu werden scheint.“ Adolphe Appia zu Wagners Illusionsbühne Was geschieht? Die Ausstellung befindet sich im Parterre, im sogenannten Scheelisaal. Beim Eintritt ist Musik zu hören, die offensichtlich zu einem in der drei in der hinteren Ecke hängenden Bildschirme gehört. Der Raum insgesamt erstaunlich leer. Vielleicht hatte ich Kulissenteile erwartet, oder ein ganzes Filmset. Nichts davon. Drei große Bilder links, die drei Fernsehbildschirme hinten rechts. Ich gehe durch den Saal zu dem lauten Video, lese die Titel Sandra V, Sandra VI und Sandra VII. Ich verfolge eines der Videos und finde nichts Besonderes daran. Eine Popsängerin, wie wir sie zuhauf schon seit MTV oder VIVA oder neueren Musiksendern kennen. Marketing? Auffallend vielleicht die Unschärfen bei Sandra V, oder die unterschiedliche Bildqualität bei Sandra VI, oder auch die an wenigen Stellen bemerkbare leicht verschobene Synchronisierung bei Sandra VII. Ich höre und sehe der Sängerin zu. Auf zwei der drei Loops singt sie, auf dem letzten stellt sie sich den Fragen eines TV Moderators und verteidigt die englische Sprache der Lieder. Dann erst widme ich mich den großen Gemälden, die mit recht einfachen Linien und Konturen eine gewisse Plakativität erzeugen. Die Farben eher dumpf und dennoch markant. Eines davon, das mittlere, hat mittendrin eine große Spiegelfolie, so dass sich der Betrachter reflektiert sieht. Ich zücke mein neues Smartphone und fotografiere mich als Betrachter. Jetzt erst fällt mir auf, dass die drei Gemälde in direkter Korrespondenz zu den drei Videos stehen. Natürlich, sie bilden den Hintergrund der Clips. Und erst jetzt realisiere ich, dass die Popsängerin gar nicht jene Sandra ist, die ich zu sehen glaubte. Die Gemälde bildeten die Kulissen oder Teile davon zu den Aufnahmen, auf denen die Künstlerin Nicole Hoesli die Sängerin Sandra gewordenen ist. Das loopende Original ist mit der echten Aufnahmen nur scheinbar identisch. Was ist geschehen? Eine bildende Künstlerin verwandelt sich bis zur Kenntlichkeit in eine andere. Die virtuelle Eins-Werdung mit einer bekannten Vorlage, also das Zusammengehen und Zusammen-SEIN des Virtuellen mit dem Realen, eine Behauptung von Wirklichkeit, die tatsächlich „nur“ die täuschend echte Kopie einer scheinbar vertrauten Vorlage darstellt. Was ich allzu voreilig zu Sehen –im Sinne von Erkennen– geglaubt hatte, wurde hintergangen. Das war gar nicht Sandra, das war Nicole. Aber wer ist Sandra und wer ist Nicole? Spielt das überhaupt eine Rolle? Und endlich wurde mir die kurze Erfahrung zwischen zwei Glarus Express Zügen deutlich: Hier hing ein Spiel mit Identität. Der Spiegel war an der richtigen Stelle, das Foto vielleicht nicht unerwünscht. Aber, was genau bedeutet hier Identität? Die Künstlerin Nicole Hoesli spielt mit der Diskrepanz zwischen einem Wahrnehmungsphänomenen und seinen Darstellungswirklichkeiten. Über ihr echtes Spiel einer „falschen“ Rolle wurde mir einmal mehr unser aller permanentes Darstellen verdeutlicht. Natürlich spielen wir, immer. Wir spielen uns, jeder seine Rolle. Nicht nur als Popstar, auch als Verwalter oder Pizzabäcker, als Mutter oder Lateinstudentin etc. Jedes Leben ist eine Bühne. Über die feinen und zuweilen eklatanten Unterschiede zwischen dem, was wir zu sein oder zu erscheinen glauben und dem, wie wir wahr genommen werden, weiss jede/r sein eigenes Lied zu singen. Nicole Hoesli wählt den erkennbaren, durch-schaubaren Weg, einen ungewohnt direkten, vielleicht eben dadurch nicht sofort erkennbaren Clip der Vor-Bilder. Sie approbiert die Wahrnehmung und Erfahrbarkeit des Selbst im Anderen. Das ist gewissermaßen ihr eigener, ganz gezielt gewählter postmoderner Beichtstuhl. Was bisher geschah Es gibt eine ganze Reihe weiterer Arbeiten von Nicole Hoesli, die ich mir daraufhin im Internet angesehen habe. Ich wähle ein Beispiel, die Arbeit „PARIS, TEXAS“ von 2011: Hoesli nennt den Clip „according“ zu Wim Wenders Film von 1984, so wie „JOHNNY GUITAR“ zu Nicolas Ray’s Film von 1954 oder „VERTIGO“ zu Alfred Hitchcocks Film von 1958. Gemeinsam ist den Vorlagen, dass alle drei als Meisterwerke in die Geschichte des Films eingegangen sind. Bewegte und bewegende Vor-Bilder. Beeindruckende und bewunderte Meilensteine der Filmgeschichte. Sie schaffen Identifikation, indem sie den Zuschauer/die Zuschauerin in ihren Bann ziehen, ihre Geschichten werden beim Betrachten Teil unserer Imagination, Teil unseres Möglichkeitsraums. Jean-Luc Godard spricht in einem Interview vor laufender Kamera, bei der der Interviewer Wim Wenders nicht zugegen war, von den Filmen, die jeder für sich produziert: „Filme entstehen, wenn niemand zuschaut. Sie sind das Unsichtbare. Was man nicht sieht, ist das Unglaubliche – beim Kino geht es darum, dies zu zeigen. Ich sitze hier vor der Kamera, aber in Wirklichkeit, in meinem Kopf, bin ich hinter ihr. Meine Welt ist das Imaginäre, und das ist eine Reise zwischen vorn und hinten, hin und her.“ Was immer geschieht Wir leben die Fiktion mit. ‚Wie gern wäre ich doch dieser oder jene’, aber auch: ‚Gott sei Dank bin ich nicht in dieser ausweglosen Situation’ etc. Gute Filme, darin mit gelungenen Theateraufführungen vergleichbar, gehen uns durch Kopf und Bauch. Diese Filme faszinieren, vereinnahmen, beunruhigen und schaffen das, was jede gute Kunst zu schaffen versucht: Konditionierung des Denkbaren, Erweiterung des Bekannten, Befragung des Vertrauten und Sondierungen des Erfahrungshorizontes. Das sah schon Aristoteles ähnlich, der erste und noch immer einflussreichste aller Kunsttheoretiker. In seiner Dramentheorie verlangt er für das Theater „Lieber das unwahre aber mögliche als das unwahrscheinliche Wahre“. Das Wecken der Leidenschaften über Schauder (phobos) und Jammer (eleos) oder Furcht und Mitleid, wie Lessing es später von übersetzen wird – ... Was in Paris, Texas geschieht „Paris, Texas“ kann keine zufällige Wahl sein. Es ist einer der vollkommensten Filme von Wim Wenders, ein modernes Märchen. In der Schlüsselszene gegen Ende des Filmes, als Travis (gespielt von Harry Dean Stanton) und Jane (Nastassja Kinski) sich nach Jahren der Trennung wieder begegnen, ist die Gegenüberstellung eine zuerst einseitige, dann eine gewissermaßen nullseitige, also blinde. Travis findet Jane in einer „Coffee Shop Booth“, einer Peep Show Kabine (John Lurie spielt den Rausschmeißer) mit halbdurchlässigem Spiegelglas. Er könnte sie sehen, sie ihn als Kunden („Freier“) nicht. Aber er wendet sich ab und erzählt in Richtung der Kamera, also dem Zuschauer die Geschichte. Er erzählt uns und der Frau im Hintergrund eine lange Geschichte, die, wie sich allmählich herausstellt, ihre Geschichte ist und die ihres gemeinsamen Sohnes Hunter. Der Jäger ist auch hier der Gejagte, Hunter die Beute, die nicht gesucht und doch gefunden, sprich seiner wirklichen Mutter zugeführt wird. Travis’ Erzählung ist ein doppelter Monolog der zwei sich ehemals nahe stehenden Personen, seine Projektion vor dem Fenster, seine Bilder sind aus beider Erinnerung gespeist. Sein Rückblick und die Nacktheit der Frau werden durch eine Blöße der Erzählung ersetzt. Beide erkennen sich „blind“. Und erst, als Jane ganz an das gespiegelte Glas geht und ihr Zimmerlicht ausmacht, kann sie das Gegenüber, ihre ehemalige Liebe erkennen. Erst die Dunkelheit enthüllt die volle Wahrheit. In diesem Moment der Wahrwerdung setzt Wim Wenders mit seinem Kameramann Robby Müller das Gesicht des Boten Travis in die blonden Umrisse der Erkennenden Jane, aus den beiden wird eine einzelne Figur. Das trennende Glas wird zur Projektionsfläche, zur Leinwand des Sehens und Erkennens. Nun erst ist Jane auch bereit, ihre Vergangenheit zu akzeptieren und wird wenig später ihren Sohn im Hotel aufsuchen, im Room 1520. Nachdem Wenders sich als Theaterregisseur mit der monogamen Perspektive des Publikums versucht hatte, (Peter Handkes „Über die Dörfer“ an den Salzburger Festspielen) fand er mit „Paris Texas“ zu den Mythen des Kinos zurück. Der Film wurde zu einem der größten Erfolge des europäischen Kinos. Nicole Hoesli nun greift endlich zur Übersetzung eines der Schlüsselmomente auf die museale Installation. Sie installiert unser Auge. Der Einwegspiegel der Peep Show Kabine wird zum Beichtstuhl der gescheiterten Familie und sie darin zur Jederfrau. Die Möglichkeit der Selbsterkenntnis im Darstellen des Vergangenen oder hier des identifizierbaren Anderen wirkt bestechend, weil sich die angebliche Echtheit keine Blöße gibt. Hoesli übernimmt, mehr noch sie vereinnahmt den psychologischen Realismus von Nastassja Kinski, in diesen Jahren Studentin schauspielerischer Methoden der emotionalen Erinnerung von Lee Strasberg. Hoesli identifiziert Jane „by doing“. Sie macht uns glauben, jene zu sein, die durch Kinskis Darstellungskunst eben noch als einzigartig in die Geschichte des Films eingeschrieben wurde. Auch das keine neue Wahrheit. Wir glauben lieber, was wir sehen, und sei es och so unmöglich, als das „unglaubwürdig Mögliche.“ Was gesehen wird „Das Nachahmen selbst ist den Menschen angeboren – es zeigt sich von Kindheit an, und der Mensch unterscheidet sich dadurch von den übrigen Lebewesen, dass er in besonderem Maße zur Nachahmung befähigt ist und seine ersten Kenntnisse durch Nachahmung erwirbt.“ Wir sind, was wir in unseren lebenslangen Übungen der Nachahmung geworden sind. Just hier steigt Nicole Hoesli ein, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie steigt die Kulisse, in die 24-fache Wahrheit pro Sekunde und manipuliert diese zu ihren Gunsten, und damit, dass sie den Vorgang erkennbar macht, auch zu unseren. Was wäre, wenn ich hinter dem blinden, einseitigen Spiegel säße. Sollte ich dann den Pulli heben? Andere Antworten geben, als Nastassja Kinski? Was ist, wenn der Möglichkeitsraum real wird? Wie real ist überhaupt mein Möglichkeitsraum? Sind wir nicht alle Kopisten? „Ebenso wie Hitchcock haben es auch Bresson, Rossellini, Welles und Renoir mit grossem Erfolg verstanden, die scheinbar gegensätzlichen Vorzüge der allegorischen und der dokumentarischen Form (...) für ihre Zwecke zu nutzen. Die konkrete Realität liefert der erfundenen Geschichte das Fleisch, ohne das sie nur ein intellektueller Zeitvertreib wäre. (...) Selbst wenn The Wrong Man nichts anderes als die getreue Schilderung eines „wahren Kriminalfalls“ wäre, verdiente er bereits unsere ganze Bewunderung.“ (S. 222f) Nicole Hoesli dreht den Spiess einfach um: Der Thriller wird zum Realen, sie setzt sich mitten rein in die (re-)konstruierte Realität des Fiktiven, das Konstrukt wird erkennbar. Oder, wie Eric Rohmer und Claude Chabrol in ihrem wunderbaren Buch über Hitchcock geschrieben haben: „Das entscheidende Element (...) ist die Gleichzeitigkeit dieser beiden Tatsachen, das ständige Vermengen zweier stilistischer Genres, nämlich des Realen und des Thrillers“ (S. 143) Letzte Frage: Warum aus dem Vergangenen zitieren, sogar kopieren. Ist das originell? Alfred Hitchcock hat einmal gesagt: „Besser, in den Truhen von vorgestern zu wühlen, als in den Abfalleimern von gestern.“ (Hitchcock, S. 202) . Nicole Hoesli spielt uns unser Spiel vor, indem sie Leben zur Bühnenästhetik stilisiert. Aristoteles’ aisthesis sensualis wird zur individuellen Projektionsmauer, jedem sein Spiegel, durch den er/sie sich vom Publikum absondert. Der individuelle Vorhang braucht gar nicht weiter aufgezogen zu werden, wir denken uns unser Teil. Das ist Ich – Simulation. Was sagt Ihr Spiegel. Es ist immer der andre der herausblickt. Ihn suchen wir, wenn wir uns durch die fremden Leiber wühlen, weg von uns. (Heiner Müller, Quartett) Anton Rey, 15.1.2014.
SANDRA VII / ETERNAL PUBERTY 2013

according to a TV-performance of Sandra 'don't be agressive', 1989 adhesive foil, acrylics on Plexiglas, 238cm x 169cm, musicvideo (don't be agressive), HD-Loop 4'42''
en / de
An der Ausstellung im Rahmen des Fokuspreises des Kunsthaus Glarus sind die Videoinstallationen SANDRA V-VII zu sehen. Drei nachgestellte Videos, zwei davon Musikvideos und ein Interview mit der Künstlerin Nicole Hoesli als Sandra, einem 80er Jahre Sternchen aus der Popindustrie. Gezeigt werden die Videos in drei Monitoren. Die nachgebauten Kulissen der Videoarbeiten sind in Form von drei grossen, abstrakt-geometrischen Bildern (240cm x 170 cm und 210cm x 150cm). Gemalt auf Holz und als Collagen auf Plexiglas und werden ebenfalls im Ausstellungsraum gezeigt. Die Bilder wirken auf den ersten Blick als unabhängige Arbeit. In der Mitte des Raumes steht ein Bogen aus Bühnentraversen, an welchen drei Bühnenleuchten zur Beleuchtung der Bilder befestigt sind. ‘I could be everything that you want me to’ oder ‘I’ll never be Maria Magdalena’ sind in den Liedern oft wiederholte Sätze. Im Video ‘Maria Magdalena’ ist ausser der Audioebene nur wenig Originalmaterial verwendet worden. Im Lied ‘Don’t be aggressive’ wurden die Original Bandmitglieder in das selbst gedrehte Material geschnitten und im Interview ist der Moderator eines Original Interviews mit der von der Künstlerin verkörperten Sandra zu sehen. Das Interview kann über Kopfhörer mitgehört werden. Die Musikvideos werden abwechslungsweise gezeigt. Während der eine Video mit Audio läuft, ist auf dem anderen Monitor eine Farbe zu sehen. Diese Farben korrespondieren direkt mit leuchtenden Farbflächen, angebracht an der Decke des Ausstellungsraumes.
SANDRA VII / ETERNAL PUBERTY 2013

Anlehnung an TV-Performance von Sandra 'don't be agressive', 1989 Klebefolie, Acryl auf Plexiglas, 238cm x 169cm, Musikvideo (don't be agressive), HD-Loop 4'42''
en / de
An der Ausstellung im Rahmen des Fokuspreises des Kunsthaus Glarus sind die Videoinstallationen SANDRA V-VII zu sehen. Drei nachgestellte Videos, zwei davon Musikvideos und ein Interview mit der Künstlerin Nicole Hoesli als Sandra, einem 80er Jahre Sternchen aus der Popindustrie. Gezeigt werden die Videos in drei Monitoren. Die nachgebauten Kulissen der Videoarbeiten sind in Form von drei grossen, abstrakt-geometrischen Bildern (240cm x 170 cm und 210cm x 150cm). Gemalt auf Holz und als Collagen auf Plexiglas und werden ebenfalls im Ausstellungsraum gezeigt. Die Bilder wirken auf den ersten Blick als unabhängige Arbeit. In der Mitte des Raumes steht ein Bogen aus Bühnentraversen, an welchen drei Bühnenleuchten zur Beleuchtung der Bilder befestigt sind. ‘I could be everything that you want me to’ oder ‘I’ll never be Maria Magdalena’ sind in den Liedern oft wiederholte Sätze. Im Video ‘Maria Magdalena’ ist ausser der Audioebene nur wenig Originalmaterial verwendet worden. Im Lied ‘Don’t be aggressive’ wurden die Original Bandmitglieder in das selbst gedrehte Material geschnitten und im Interview ist der Moderator eines Original Interviews mit der von der Künstlerin verkörperten Sandra zu sehen. Das Interview kann über Kopfhörer mitgehört werden. Die Musikvideos werden abwechslungsweise gezeigt. Während der eine Video mit Audio läuft, ist auf dem anderen Monitor eine Farbe zu sehen. Diese Farben korrespondieren direkt mit leuchtenden Farbflächen, angebracht an der Decke des Ausstellungsraumes.
VERTIGO 2010

according to Vertigo by Alfred Hitchcock, US 1958 papier maché, acrylics, chicken wire, acrylics on paper 2m x 1.5m, stage lighting, hd loop 1‘ 25“, enlish subtitles
en / de
The installation consist of a video of a simulation of a scene from the film 'Vertigo' from Alfred Hitchcock and the set built to record it in. In the recreated film scene the artist replaces the female protagonist. The parts she ‘stars’ in are spliced together with parts of the original film and so she is transferred into and superimposed upon the movie. The original‘s background has been broken down into elements that have then been recreated for the set. This set is exhibited alongside the resulting scene. The sound is the one from the original film.
VERTIGO 2010

Anlehnung an Vertigo von Alfred Hitchcock, US 1958 Papier Maché, Hasendraht, Acryl auf Papier 2m x 1.5m, Bühnenlampe, Hd Loop 1‘ 25“, englische Untertitel
en / de
Die Installation besteht aus einem Video einer simulierten Szene aus dem Film ’ Vertigo’ von Alfred Hitchcock und dem dafür nachgebauten Set. In der nachgeahmten Szene wird die Protagonistin durch die Künstlerin ersetzt. Die Aufnahmen worin sie spielt, sind zusammen gefügt mit Teilen des Original Films, wodurch die Künstlerin in den Film transferiert und hineingesetzt wird. Das nachgebaute Set wird zusammen mit dem entstandenen Film gezeigt. Die Audiospur stammt aus dem Originalfilm.
BIRD 2010

live performance wooden wall 3m x 4m, wallpaper, projection 3m x 4m, loop 6‘, living bird
en / de
The staging of the performance ‘Bird’ resembles a simple film set; an imitation of an alleyway consisting of a wall and a screen. The wooden wall is dressed with a brick wallpaper and on the screen next to it a cloudy sky is projected, moving slowly. The set is lit to appear mysterious. A trained bird is freed out of a cage and flies into the scenery. After an unpredictable time the bird lands on the floor in front of the two flats and leaves the scene through the gap between wall and screen. The bird crows loudly and the animal wrangler now and again calls for his crow: “Cheryl“.
BIRD 2010

live performance Holzwand 3m x 4m, Tapete, Projection 3m x 4m, loop 6‘, Krähe
en / de
Die Inszenierung der Performance ‘bird’ gleicht einem einfachen Filmset. Eine Imitation einer Gasse, bestehend aus einer Wand und einer Leinwand. Die Holzwand ist mit einer Backstein-Tapete verkleidet und auf die Leinwand daneben ist ein Wolken behangener Himmel projiziert, welcher sich langsam bewegt. Das Licht lässt das Set mysteriös erscheinen. Ein trainierter Vogel, befreit aus einem Käfig, fliegt in die Szenerie. Nach einer unvorhersehbaren Weile landet der Vogel auf dem Boden vor den zwei Flächen und verlässt die Szene durch den Spalt zwischen Wand und Leinwand. Der Vogel kräht laut und der Tiertrainer ruft hin und wieder den Namen der Krähe: ‘Cheryl’.

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